Politik : Hinter den Linden: Ein Hoffnungskeim

Robert von Rimscha

Ein Keim Zuversicht? Oder Angst? Wie nach dem 11. September in die Zukunft geblickt werden sollte, ob mit Furcht oder Hoffnung, ist derzeit die schwierigste Frage für Politiker. Folgt eine neue Terrorwelle, wollen sie nicht naiv geklungen haben. Und doch müssen sie Panik vermeiden. Nun haben gerade vier US-Gouverneure Berlin besucht. Ob beim Bundeskanzler oder bei Wirtschaftsbossen: Stets ging es darum, wie die Lage ist, und wie Politik die Stimmung beeinflussen kann. Im Auswärtigen Amt bekamen die Regierungschefs von Kentucky, Vermont, Michigan und Utah von den Chefs deutsch-amerikanischer Unternehmen gesagt, wie unterschiedlich die Reaktionen auf den 11. September ausfielen. In Asien habe sich die Wirtschaft verhalten, als sei nichts geschehen. Auch in Europa herrschte nur ein paar Tage lang furchtsame Zurückhaltung. Nur von ihren US-Kollegen berichteten die Firmenchefs, dass noch heute Flugreisen tabu sind. Einer, der sich dieser pessimistischen Sicht nicht anschließen wollte, heißt Michael Leavitt. Der Republikaner und Mormone ist Gouverneur von Utah und hatte eine Geschichte parat, mit der er seinen trotzigen Optimismus begründete. Als er "Ground Zero", das Loch im Süden Manhattans, erstmals besuchte, fand er auf der Straße inmitten von Tod und Zerstörung eine Eichel. "Darin steckt der Keim zu neuem Leben!" Seitdem trägt Leavitt die Eichel in seiner linken Hosentasche - als Erinnerung daran, dass es weitergeht, irgendwie, und gut.

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