Politik : Hinter den Linden: Ende der Blockade

Markus Feldenkirchen

Um den französischen Verkehrsminister geht es hier nur am Rande. Zunächst wollen wir das Comeback eines Schriftstellers feiern, über den das böse Gerücht durch die Hauptstadt waberte, ihn quäle eine Schreibblockade. Dem ist nicht so. Nach dem lyrischen Kriegstagebuch von 1999 (Titel: "Wir dürfen nicht wegsehen") publiziert der Autor Scharping jetzt wieder Dinge, die er versteht, schreibt Tiefgründiges zur Tour de France in "Bild" (Arbeitstitel: "Wir dürfen nicht falsch abbiegen").

Elf Etappen sind gefahren, Zeit also für eine Zwischenrezension. Das Gute vorweg: Der Autor hält seinen berüchtigten langen Atem selbst in schwierigsten Passagen. Brillant auch, wie er mit dem Erfahrungsschatz von Verfasser und Leser spielt. Sie kennen ja die Situation: Man strampelt eine harmlose Landstraße entlang, fährt von Zeitz nach Kayna (über Meuselwitz) und plötzlich, schlimperdibicks, fragt man sich: Verdammt! Wer hat nur diese verdammte Straße an die Wand genagelt. So auch der Minister, als er sich die Strecke des gestrigen Bergzeitfahrens der Tour vorab erstrampelte, hinauf nach Chamrousse. Aber bitte, lesen Sie selbst: "Nach rund 14 Kilometern fröhlich warm gefahren und leicht schwitzend denkst du plötzlich: Verdammt, wer hat die Straße an die Wand genagelt." (Tagebuch, 18. Juli).

Das ist, literarisch betrachtet, ohne Fragezeichen ein Satz von graziler Schönheit. Den Informierten unter uns Kritikern entgeht jedoch nicht die gesellschaftskritische, ja politische Dimension dieser Passage - eine poetisch verpackte Forderung an den französischen Minister Jean-Claude Gayssot, endlich eine vernünftige Verkehrspolitik zu machen?

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