Politik : Hinter den Linden: Entspannungspolitik

Stephan-Andreas Casdorff

Oskar ist wieder da. Er war ja gerade in der Stadt, um für sich zu trommeln, aber erst jetzt kommen die Töne überall an. Von der Universität bis hin ins Kanzleramt schallten sie. Der Physiker in Oskar Lafontaine könnte geneigt sein, dieses Phänomen genauer zu erklären, der Politiker nicht, weil es in seinem Fall zu oft eine Frage der Interpretation war, was beim Kanzler schlussendlich ankam. Man denke nur an die Zeit mit Bodo Hombach als Minister für besondere Aufgaben im Kanzleramt. Da war man sich angesichts einiger Berichte nicht immer sicher, ob man vorher noch dasselbe gehört hatte.

Aber weil jetzt bald Weihnachten ist; weil das Kanzleramt immer noch seine Zuhörer schickt, wenn Lafontaine irgendwo redet, aber die Lage doch entspannter ist; weil der Oskar immer wieder mal da ist, aber nicht mehr überall präsent - deshalb naht jetzt eine Phase der Entspannung. Nennen wir sie: Gerhard Schröders private Entspannungspolitik. Am 10. März 1999 haben sich die beiden das letzte Mal getroffen, bei einer Kabinettssitzung vor dem großen Rücktritt. Am 20. Dezember 2000 könnten sie sich das erste Mal wieder treffen, wenn die "Young Generation" der SPD an der Saar an die Spitze gewählt wird, mit Heiko Maas. Der ist ja noch von Lafontaine gefördert worden und wird jetzt vom Nachfolger Lafontaines im SPD-Bundesvorsitz gefördert werden. Ja, Weihnachten, Fest der Versöhnung. Und Wandel durch Annäherung. 2002, zur nächsten Wahl, ist der Prozess abgeschlossen.

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