Politik : Hinter den Linden: Faxen

Carsten Germis

Kleine Taten entfalten gelegentlich große Wirkung. Diese Erfahrung musste nun auch ein junger Mann machen, der dieser Tage sein Praktikum in der Pressestelle der SPD-Bundestagsfraktion absolviert. Dieser junge Mann, nennen wir ihn V., interessiert sich für die Länder Südosteuropas. Er interessiert sich so sehr dafür, dass er gerne Mitglied der in München ansässigen Südosteuropa-Gesellschaft werden möchte. Also schnell die Beitrittserklärung per Fax angefordert. Jetzt passierte das, was in der Nacht zum Dienstag so große Wirkung entfaltete. In der SPD-Fraktion gibt es natürlich viele Faxgeräte. Doch V. gab in München ausgerechnet die Nummer des Sammelfaxes an, von dem aus die Pressestelle der SPD-Fraktion alle Medien mit ihren Erklärungen versorgt. Das Gerät faxte den an V. gerichteten Brief nebst Beitrittserklärung an alle Redaktionen weiter. Mancher glaubte schlicht an einen Irrläufer, und weil im Anschreiben ja die von V. angegebene Faxnummer stand, schickten es die freundlichen Menschen nochmals dorthin. Wieder begann das Spiel von vorne: Der gesamte Verteiler kam in den Genuss der Blätter für V. Mehrfach wiederholte sich das. "Dies kommt bei AP an. Ist dies so gewollt?", fragte ein Agenturjournalist. Auch das ging wieder an alle. Beim nächsten Durchlauf fand sich eine zusätzliche Bemerkung: "Dies kommt auch bei der ARD an. Mehrfach!" Die ganze Nacht über ging das so, bis am nächsten Morgen Anrufer bei der Pressestelle fragten, warum sie 20, 30 Mal diese Unterlagen bekommen haben. Dem Fax des Tagesspiegel ging schon um 6.12 Uhr morgens bei der 21. Sendung das Papier aus.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar