Politik : Hinter den Linden: Festtage festhalten

Carsten Germis

Es gibt Festtage, an die man sich später immer wieder gern erinnert. Kommunion, Konfirmation oder Jugendweihe sind solche Tage. Für viele ist es auch die eigene Hochzeit. Damit es später mit der Erinnerung nicht allzu schwer wird, findet sich meist ein naher Verwandter oder ein Freund, der den ganzen Tag lang gern und viel fotografiert. Wer kennt sie nicht, die Alben mit all den schönen Festtagsfotos? Und weil Politiker auch Menschen sind, sieht es bei ihnen mit dem Bedürfnis nach Erinnerungsfotos auch nicht anders aus. Festtage sind für sie Tage, in denen ihnen neue, wichtige Ämter übertragen werden. Wenn jemand Minister wird, ist das für einen Politiker natürlich ein ganz besonderer Festtag. Aber nicht immer bleibt die Zeit, einen Fotografen zu bestimmen. Ulla Schmidt, die Vize-Fraktionsvorsitzende der SPD, zum Beispiel musste gleich von Berlin zur Klausurtagung ihres Fraktionsvorstandes nach Bonn, kaum dass der Kanzler ihr mitgeteilt hatte, dass sie neue Gesundheitsministerin werden soll. Diesen Tag im Bild festhalten? Keine Zeit. Doch im Bonner Tagungshotel gab es einen Menschen, der sich über die Rheinländerin Schmidt und ihre gute Laune am Mittwochabend so freute, dass er nicht anders konnte, als den Fotoapparat zu nehmen und abzudrücken. Im braunen Kuvert überreichte ihr ein Mitarbeiter des Hotels die Abzüge dann in einer Sitzungspause am nächsten Tag. "Das war doch ein Tag, an den man sich gerne erinnert", sagte er Ulla Schmidt. Die belohnte ihn mit einem strahlenden Lächeln. Das nächste, das offizielle Foto vom ersten Ministertag gibt es wahrscheinlich am kommenden Mittwoch. Dann ist Vereidigung im Bundestag geplant.

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