Politik : Hinter den Linden: Fingerzeig

Sascha Klettke

Mit welchem Körperteil drückt man am besten Zivilcourage aus? "Gesicht zeigen" lautet die klare Antwort der Bundesregierung. So hielt Otto Schily vergangene Woche, als das NPD-Verbotsverfahren ins Stolpern geriet, nicht nur seinen Kopf in die Kamera, sondern auch die seiner fehlerhaften Mitarbeiter. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer setzt dagegen seinen Finger im Kampf gegen Rechts ein - und das schon seit Beginn seiner politischen Laufbahn.

Es war Ende der 60er Jahre. Die NPD lud zu einer Veranstaltung ein. Der Abiturient Laurenz Meyer lieh sich von seinem Vater einen langen Mantel, zahlte fünf Mark Eintritt und lauschte der Rede des damaligen Vorsitzenden Adolf von Thadden. Der zog mächtig über die CDU her. Obwohl er noch gar nicht Mitglied war, gefiel Meyer das nicht. Seinen Protest drückte er einfach, aber wirkungsvoll aus. Immer wieder, so erzählte Meyer jetzt in der Katholischen Akademie, streckte er seinen Finger in die Luft. Von Thadden sei gewaltig irritiert gewesen und habe seine Rede unterbrochen. Vier Ordner trugen Meyer aus dem Saal. Als Meyer nach Hause kam, wusste sein Vater schon Bescheid: Die Polizei hatte angerufen.

Laurenz Meyer fühlte sich motiviert: Kurz darauf trat er in die CDU ein, wurde Fraktionsvorsitzender im Landtag von Nordrhein-Westfalen und später sogar Generalsekretär. Aus einem kleinen Fingerzeig kann also eine große Karriere werden. Das sollten sich die Geheimdienstler von heute zu Herzen nehmen: Wer noch einen V-Mann der NPD kennt, der sich in den Verbotsantrag hineingeschlichen hat, der soll dezent den Finger heben. Aber so, dass Otto Schily ihn sieht.

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