Politik : Hinter den Linden: Folgenreiche Abschätzung

Robert Birnbaum

Hinter den Linden gedeiht im Verborgenen auch manches andere Gewächs. In diesem Sinne gehört in die Abteilung Nutz- und Heilpflanzen eine Einrichtung, die auf den umständlichen Namen "Büro für Technikfolgenabschätzung" hört, kurz TAB. Das Pflänzchen ist 1990 noch in Bonn gezüchtet worden. Der Samen, aus dem es spross, ist älter. Da spielte die Entdeckung der Ökologie eine Rolle, die Havarie eines Atomreaktors in Harrisburg und die Explosion eines anderen in Tschernobyl; überhaupt all das, was sich damals in der Erkenntnis der "Grenzen des Wachstums" niederschlug.

Das Büro hat viel Gutes bewirkt, genauer gesagt: Viel Falsches verhindert. Die vielleicht wichtigste Großtat stammt aus den Anfangsjahren. Da träumten Europas Raumfahrt-Verantwortliche vom Ganz Großen Durchbruch. Der trug den Namen eines deutschen Raketenpioniers - "Sänger" - und sollte ein Super-Raumgleiter werden, sollte nicht nur wie das amerikanische Vorbild wie ein Flugzeug landen, sondern auch so abheben. Das Urteil der Technikfolgenabschätzer fiel abschätzig aus: Zu teuer, gigantische Umweltverschmutzung, technisch riskant. Der "Sänger" wurde nie gebaut.

Angesiedelt übrigens wurde das Neun-Mann-Forscherteam an symbolträchtigem Ort: beim Kernforschungszentrum Karlsruhe. Das hat, nomen est omen, längst seinen Kern verloren und heißt nur jetzt noch "Forschungszentrum". Seine Aufträge erhält das TAB vom Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Das Ganze kostet jedes Jahr etwa vier Millionen Mark. Wirklich ein Nichts im Vergleich zu dem, was dieses Büro uns schon erspart hat.

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