Politik : Hinter den Linden: Freibank

Robert Birnbaum

Wer das Arbeitsessen erfunden hat, ist von der Geschichtsforschung bisher nicht ausreichend erhellt. Jedenfalls ist der Brauch sehr, sehr alt. Die Griechen vor vielen Jahrhunderten haben zu Tisch gelegen, wenn sie herumphilosophieren wollten. Legendär ist des König Artus Tafelrunde. Und war nicht die früheste Mahlzeit der Menschheit bereits ein Working Dinner? Als Eva dem Adam den Apfel aufschwatzte, hat sie ihm Erkenntnis versprochen. Das ist ausweislich der beim Finanzamt eingereichten Spesenbelege noch heute Sinn und Zweck des Arbeitsessens.

Das Beispiel unserer Urahnen zeigt aber: Arbeitsessen können riskant sein. Um wie viel mehr in Zeiten des Rinderwahns! Seit Wochen bleiben bei den Frühstücksrunden, zu denen sich Politiker mit Journalisten treffen, die früher heißbegehrten Roastbeef-Schnittchen liegen. Auch anderer Aufschnitt geht nicht recht.

Nur beim CSU-Landesgruppenchef Michael Glos wird, Kalb hin oder her, weiter Weißwurst verzehrt. Die komme, hat Glos versichert, original aus München, was alle beruhigte: Die speziell bayerische Variante des politischen Wahnsinns ist bekanntlich nicht ansteckend.

Aber sonst? Geflügel allerorten! Beim Weihnachtsessen des Berliner Presseclubs war gerüchteweise Tafelspitz avisiert - was erschien, war dann allerdings Fasan. So geht das weiter hinter den Linden: Ente, Gans, Huhn. Nicht mal der Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke steht noch zum deutschen Rindvieh. Der bringt den Kollegen im Kabinett vielmehr als Weihnachtsgabe heute - Äpfel mit. Wahrscheinlich vom Baum der Erkenntnis.

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