Politik : Hinter den Linden: Freier Publizist

Tissy Bruns

Rechts von mir, sagt Moderator Klaus Bednarz, begrüße ich den freien Publizisten ... Worauf der Name im Gelächter das Saales untergeht. Denn neben Bednarz hat Oskar Lafontaine Platz genommen, der auch auf der Veranstaltung des IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs) eigentlich rechts von niemandem sitzt. Der genannte Berufsstand, so Bednarz, ist einer, "auf den wir uns gemeinsam verständigt haben". Es geht im Audimax der Technischen Universität um die "Kultur des Friedens". Lafontaine und der ostdeutsche Bürgerrechtler und Wissenschaftler Jens Reich sollen sich speziell über den "Frieden in Deutschland" Gedanken machen. Reich ist düster, denn die Ostdeutschen haben sich in die Resignation zurückgezogen. Lafontaine kann es nicht fassen. Weil er selbst nicht wagen würde, über die heutige Jugend so zu reden, macht er Florian Illies und sein Buch über die "Generation Golf" zum Kronzeugen für die "Generation Ich-AG" und deren Mentalität der Gleichgültigkeit. Wie weit ist es gekommen, wenn Helmut Schmidt kritisch über die "68er-Bellizisten in der Bundesregierung" schreibt?

Lafontaine nickt auf die Frage des Moderators, ob es eine Militarisierung der deutschen Außenpolitik gibt: "Und diese atemberaubende Geschwindigkeit." Er habe nur eine Erklärung für den Sinneswandel seiner Genossen: "Dass viele eine Position vertreten, ohne davon überzeugt zu sein, nur weil sie in Mode, weil sie schick ist." Joschka Fischer? "Ich dachte, dass ich in ihm einen Partner hätte. Da habe ich mich gründlich getäuscht." Warum er nicht weitergekämpft hat, ruft einer aus dem Saal. "Ich habe 30 Jahre die Wange hingehalten. Wer es länger getan hat, der werfe den ersten Stein."

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