Politik : Hinter den Linden: Futterneid

Robert Birnbaum

Nach eines langen Tages Arbeit - wir müssen jetzt mal was zur Ehrenrettung des Berufspolitikers sagen. Die arbeiten lang. Viel länger als der normal Sterbliche. Morgens in aller Frühe sind sie schon im Büro, lesen die Zeitung, dann kommt die erste Besprechung, dann die nächste, die nächste ... das Politikerleben, es besteht im Aussitzen.

Da bleibt selten nur Zeit für die Mittagspause. Früher hat man sich mit Kaffee und Keksen über den Tag gerettet, heute hat die Wellness-Welle auch Politikerbüros erreicht. Immer mehr Schreibtische ziert ein Schälchen Obst, in Stücke geschnitten; auch Joghurt gibt es und anderes, was gesund ist.

Wen wunderte es da, dass es abends, wenn die letzte Akte bearbeitet, das letzte Interview gegeben, der letzte Termin abgehakt ist, den Berufspolitiker zur Erbauung von Leib und Seele in die gehobene Gastronomie zieht? Den Grünen-Bundesgeschäftsführer Reinhard Bütikofer hat es am Dienstag gezogen. Die Vorfreude hat man ihm angesehen, wie er die Reinhardstraße entlang einem Restaurant entgegenstrebte. Noch an der Eingangstür hat er ausgesehen wie einer, der im Geiste schon die Speisekarte durchkostet.

Da bremst jäh sein Schritt. Das Lokal ist voll. Sehr voll. Drinnen sitzt und steht der geschäftsführende Fraktionsvorstand der CDU/CSU, und um die Herren herum die einschlägigen Journalisten, die Kellner füllen geschäftig Weingläser nach - ein geselliger Abend, wie er im Buche steht. Bütikofer zieht von dannen: Hier hat er nichts verloren. So hat die Opposition doch auch mal einem von der Regierungsseite die Butter vom Brot genommen.

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