Politik : Hinter den Linden: Gastronomietipp

Hans Monath

Koch und Kellner sind zwei an sich harmlos klingende Berufsbezeichnungen, mit denen in der rot-grünen Bundesregierung aber die Erinnerung an ein eindeutiges Über- und Unterordnungsverhältnis der Koalitionspartner verbunden ist. Lange bevor er nun mit seinem Vizekanzler Joschka Fischer auf einem anonymen Wahlplakat ("Verantwortung und Vertrauen. Politik für unser Land") posierte, hatte Gerhard Schröder im Wahlkampf 1998 mit diesen Funktionszuweisungen klar machen wollen, wer in der Koalition das Sagen haben würde - eben er selbst und nicht etwa die Grünen.

Während sich aber in der großen Politik viele Parteien darum drängeln, nach den Wahlen im Herbst im Kabinettssaal Koch und Kellner, also großer und kleiner Koalitionspartner, spielen zu dürfen, sind diese Tätigkeiten im wirklichen Leben nicht begehrt. Als Koch oder Kellner, Zapfer oder Spüler bewerben sich weit weniger Arbeitnehmer, als die Branche braucht. Mehr als 80 000 Mitarbeiter fehlten, meldete im Herbst der Hotel- und Gaststättenverband - prompt richtete die FDP im Bundestag eine Kleine Anfrage an die Regierung, wie sie den vielen ausländischen Arbeitswilligen, den Kneipiers, Hoteliers, den hungrigen und durstigen Gästen helfen wolle.

Jetzt hat die Regierung geantwortet: Unzufriedenheit mit ungünstigen Arbeitszeiten und schlechten Löhnen, so hat sie herausgefunden, schrecken deutsche Arbeitssuchende ab. Aber eine "Greencard" speziell für Kneipen und Hotels soll es trotzdem nicht geben. Immerhin: Mit Kroatien werde verhandelt, bis zu 500 Arbeitnehmer nach Deutschland zu lassen. Ausdrücklich erinnert die Regierung auch daran, dass sich das Parlament noch um die künftige Regelung der Zuwanderung streitet. Wenn sich die Debatte um das neue Zuwanderungsgesetz weiter hinzieht, sollten Koalition und Liberale vielleicht doch zum ultimativen Argument greifen: Konservative, stimmt endlich zu, oder wollt ihr entweder hungrig und durstig bleiben oder selber kochen und kellnern?

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