Politik : Hinter den Linden: Gesangsunterricht

Carsten Germis

Im Volksmund wird Gesang schon lange hoch geschätzt. "Wo man singt, da lass dich ruhig nieder; böse Menschen haben keine Lieder", heißt es. Schon Martin Luther, der Reformator, hat das in seinem Gedicht "Frau Musica" vor mehr als 450 Jahren behauptet. "Hie kann nicht sein ein böser Mut", schreibt er, "wo da singen Gesellen gut." Heute ist diese Einschätzung nicht mehr so ganz unumstritten. Ernst Burgbacher, Bundestagsabgeordneter der FDP aus dem baden-württembergischen Trossingen, möchte die alte Wertschätzung des Gesangs in der Öffentlichkeit jetzt wiederbeleben. Der Sommer, der nun endlich auch in Berlin Einzug gehalten hat, scheint dem Volksvertrer die Eingebung gegeben zu haben. Vor allem in den Städten möchten die Gäste ihr Bier oder ihr Mineralwasser unter freiem Himmel in dieser Jahreszeit doch gern in Ruhe genießen, meint er. Doch: "Leider ist das bisher in Deutschland nicht möglich", klagt Burgbacher. Warum nicht? Die Gäste werden bereits um 22 Uhr aus Straßencafés vertrieben. Für einen Liberalen wie Burgbacher, der auf die Kräfte des freien Marktes setzt, ist das natürlich ein erneutes Beispiel für "kundenunfreundliche Überregulierung". Geregelt ist das übrigens in der Bundesimmissionsschutz-Verordnung-Außengastronomnie", mit der Nachbarn von Gaststätten vor nächtlichem Lärm geschützt werden sollen, denn merke: Musik, weil sie mit Geräusch verbunden, wird als störend oft empfunden. Burgbacher hält es eher mit der alten Volksweisheit. Er will die Biergärten daher bis Mitternacht öffnen. Und der Lärm? Welcher Lärm, fragt der FDP-Mann: "Lachen und Singen dürfen nicht wie Hämmern und Bohren bewertet werden."

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