Politik : Hinter den Linden: Große Ferien

Gerd Appenzeller

Das Handbuch des Deutschen Bundestages ist ein kluges Buch. Es erzählt dem Bürger viele Details über den Werdegang des und der Abgeordneten, ihren Zivilstand und die Zahl der Kinder. Über das Alter der Kinder, deren Geburtsjahrgang aber, steht nichts im Handbuch. Das hat vielleicht etwas mit Datenschutz zu tun oder auch mit Bequemlichkeit - viele Parlamentarier(innen) sind ja erfreulicherweise in einem Alter, in dem sich die Kinderzahl noch von Legislaturperiode zu Legislaturperiode ändert. Wozu die Überlegung? Nun, weil die sitzungsfreie Sommerpause des Bundestages ziemlich exakt den Zeitraum zwischen dem frühen Beginn der Schulferien in Nordhrein-Westfalen und dem späten Ferienende in Berlin abdeckt. Wer da keinen Zusammenhang erkennt, wäre ein Tor. Mit Bayern und Baden-Württemberg liegen auch noch die Sommerferien zweier großer unionsgeführter Länder in dieser Zeitspanne. Die Parlamentarierkinder in Bremen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und dem Saarland hingegen haben Pech gehabt. Sie genießen schon 14 Tage Ferien, während ihre Mütter und Väter in Berlin noch Präsenz in den Plenarsitzungen schieben müssen.

Was uns das lehrt? Nun, einmal, dass in der Politik wie im sonstigen Leben offensichtlich die Großen den Kleinen sagen, wo es lang geht. Und dass es, außerdem, zwischen dem Rhein-Ruhr-Gebiet auf der einen und Berlin auf der anderen Seite, zwischen der armen Hauptstadt und dem reichen Süden ein paar Gemeinsamkeiten gibt. Und sei es die, dass man sich durch den Parlamentsbetrieb nicht die großen Ferien kaputt machen lassen will. Ein angenehm menschlicher Zug.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben