Politik : Hinter den Linden: Gurke zeigen

Matthias Meisner

Diese Gurke war Claudia Roth sauer aufgestoßen. "Gurke des Jahres" hatte die links-alternative "taz" im November ihren Vorbericht zum Grünen-Parteitag in Rostock betitelt - über einem Foto der Parteichefin in rot-grün colorierter Abendgarderobe. Der Gag kam bei Roth überhaupt nicht an. Und auch viele Delegierte waren sichtlich erregt darüber, dass ihre Vorsitzende auf diese Weise verächtlich gemacht wurde.

Doch nun will Claudia Roth ihren Leuten zeigen, was eine Gurke ist. Noch in Rostock deutete sie an, dass sie für den nächsten Parteitag im März in Berlin mit einem Sponsor verhandeln will - der Gurkenindustrie aus dem Spreewald. Inzwischen ist klar, dass aus diesem Spaß Ernst wird. Nur ein paar Tage nach dem Rostocker Kongress meldete sich ein pfiffiges PR-Büro, das die Reklame für die Spreewald-Gurken koordiniert - und bot Zusammenarbeit an.

In der Grünen-Zentrale lagern nun erste Kostproben. Und auf den Slogans der Spreewald-Werbeleute lernen die Öko-Politiker, dass "Die Grünen mit Biss" eben nicht in der Partei, sondern in der Lausitz gewachsen sind. Strategen in der Grünen-Zentrale sprechen bereits vom "Beginn einer wunderbaren Freundschaft" zwischen Spreewaldgurken und richtigen Grünen.

Wäre da nicht noch ein Problem: Denn liefern wollen die Spreewald-Leute die saure Ware an die Grünen-Delegierten in kleinen Blechdosen mit je einer Gurke drin. Sehr trendig also, aber eben auch eine jener Verpackungen, gegen die Bundesumweltminister Jürgen Trittin seit Jahren zu Felde zieht. Kann Ex-Parteichef Trittin ein Auge zudrücken, damit seine Nachnachfolgerin Roth nicht sauer ist?

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