Politik : Hinter den Linden: Gute Hirten

Stephan-Andreas Casdorff

Jeder hat ja so seine Ratgeber. Bill Clinton hat Nelson Mandela, wie wir jetzt wissen, der ihm beistand in schwieriger Zeit und aus seiner reichen Lebenserfahrung den Weg wies. Zugegeben, Clinton benötigte den Rat in extremen Situationen, unvergleichbar mit dem, was über Politiker sonst so zu hören ist. Aber den Kritikern nicht mehr zu geben, als man selber zulassen will - das ist ein stolzer Rat, einer, der lange nachklingt.

Wie ist das nun bei uns in Berlin? Da gibt es auch einige Politiker, die Kritik aushalten müssen. Nicht gar so extreme, aber immerhin, schön wird es für sie nicht sein. Nehmen wir Angela Merkel. Sie, die neue CDU-Vorsitzende, leidet offenkundig nicht unter einem Mangel an Selbstbewusstsein. Aber Ratgeber braucht sie mitunter vielleicht trotzdem. Merkel hat, außer den Frauen in ihrer Umgebung, zum Beispiel den Vizevorsitzenden Christian Wulff. Er war der erste, der öffentlich für sie als Chefin eintrat. Wulff muss auch selber mit viel Kritik umgehen, und aus seiner Erfahrung kann er Merkel gut helfen: Indem er ihr erklärt, was er für richtig oder falsch hält. Und indem er sie anderen erklärt.

Etwa, wie Merkel die CDU erst einmal für sich gewinnen muss. Danach muss die Vorsitzende ihre Partei zunächst umrunden, wie eine Herde, muss sie zusammenhalten, darf keinen Ausreißer verlieren, um sie dann führen zu können. Das ist von Wulff natürlich inhaltlich gemeint und spielt an auf den aktuellen Kurs Merkels, der von liberal bis stramm konservativ verläuft. Und so fasst Wulff seine Antwort in diesen Satz: "Ein guter Hirte führt von hinten." Womit er übrigens einen guten Rat von Nelson Mandela zitiert.

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