Politik : Hinter den Linden: Halali

Ulrike Fokken

Herbstzeit ist Jägerszeit. Da wollen auch die Volksvertreter nicht in ihren Büros sitzen und suchen den Duft der Wälder und den Nervenkitzel der Jagd. Hoch zu Ross jagten die Mitglieder der Sportgemeinschaft des Bundestages und ihre Gäste - 170 an der Zahl - am Samstag in Brandenburg 150 Hunden hinterher, die kläffend einer Duftspur durch die beschauliche sonnige Landschaft folgten. Vom Feld- und Waldesrand schauten ihnen über 1000 geladene Gäste zu. Eingepackt in dicke Decken verfolgten sie das Treiben.

Halali zur Hubertusjagd des Deutschen Bundestages. Zum zweiten Mal haben die Abgeordneten von SPD, CDU und FDP die Hetzjagd veranstaltet, nach Angaben der Veranstalter die größte Europas. Im vorigen Jahr konnten sie sogar der Gattin des Bundespräsidenten, Christina Rau, die Ehrenjagdherrschaft übertragen.

Kein Schuss wird fallen, kein Tier getötet werden - darauf ist man besonders stolz. Halali aber zum Aufhetzen von Rehen, Hasen und Füchsen, zum Aufwühlen der Wiesen und Felder, zur Ruhestörung im Wald, zum Aufscheuchen überwinternder Vögel. Und die Abgeordneten haben sich mit der Hundejagd ein wahrhaft herrschaftliches Vergnügen gesucht. Früher war die Jagd zu Pferde dem Adel und den Reichen vorbehalten. Darauf brauchen sie in der offenen Gesellschaft keine Rücksicht zu nehmen. Halali auf dem Weg zu Gleichheit und Gerechtigkeit.

Einzig aus dem Ministerium von Renate Künast, auch zuständig für die Jagd und deren Gesetze, erscholl kein Halali. Das Jagdgesetz von 1934 bleibt unverändert, da mögen Umwelt- und Naturschützer noch so sehr drauf dringen. Wer möchte schon 170 Reiter auf seiner Spur wissen.

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