Politik : Hinter den Linden: Hallo Taxi

Markus Feldenkirchen

Dies ist ein Lehrstück über die noch nicht ganz perfektionierte Dienstleistungsmentalität in den neuen Bundesländern. Und darüber, wie man trotzdem ans Ziel kommt. Ja, es geht um Mobilität. Die ist ja wichtig rund um so einen Parteitag, wie ihn die Christdemokraten gerade in Dresden abhalten. Da strömen für kurze Zeit 1001 Delegierte in die Stadt und mindestens halb so viele Journalisten. Weil aber nur wenige mit dem Fahrrad kommen und noch weniger mit Chauffeur im eigenen Dienstwagen, ist das Taxi dieser Tage ein begehrtes Gefährt. Das heißt: es wäre eines, wenn es denn welche gäbe.

Da kam am frühen Sonntagabend ein Eurocity voll mit Politikern und Journalisten am Dresdner Hauptbahnhof an. An Bord auch ein Mann, der das Zug- und Taxifahren fast schon verlernt hatte, weil er viele viele Jahre im Dienstwagen herumkutschiert wurde. Nun aber nicht mehr, weil ein gewisser Wowereit jetzt mit diesem Auto unterwegs ist. Und deshalb muss das erste Rendezvous mit dem Taxigewerbe recht frustrierend für Eberhard Diepgen gewesen sein.

Als er nämlich den Dresdner Hauptbahnhof mit seinem Köfferchen verlassen hatte und den Taxistand suchte, musste er feststellen, dass er nicht der Erste war. Genauer gesagt: der Achtzigste. Diepgen reihte sich also brav in die Schlange ein und wartete mit den anderen auf die Taxis, die da kommen. Es kam aber keins. Auf diesen Ansturm war die bescheidene Dresdner Taxiflotte nicht vorbereitet. Diepgen auch nicht.

Wäre er damals Bürgermeister im Osten Berlins gewesen, hätte ihm das Schlangestehen vielleicht weniger ausgemacht. So aber wuchs Diepgens Unruhe so rapide, dass er kurz entschlossen erneut ausscherte, um an einer anderen Straßenecke ein Taxi anzuhalten. Hallo Taxi, Hallo Herr Diepgen! Die anderen 80 Wartenden verfolgten den Alleingang des EX-OB kopfschüttelnd. Wenn sie ihm nicht folgten, stehen sie noch heute da. Wie ...

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