Politik : Hinter den Linden: Hand aufs Herz

Hans Monath

Oh, die Hand! Wir wissen inzwischen, dass sich unser Gehirn in der Entwicklungsgeschichte des Menschen ohne dieses herrliche Instrument nie ausgebildet hätte. Und was man mit ihr alles anfangen kann, das Zärtlichste und das Grausamste. Gefühle symbolisiert sie, Einladung oder Abwehr, Drohung oder Schutzversprechen. Deshalb kommt ihr ja auch in der Kunstgeschichte und in der politischen Rhetorik eine so wichtige Rolle zu, die Kanzler Gerhard Schröder jetzt wieder genutzt hat: Eine Politik der "ruhigen Hand" verspricht er in der Konjunkturkrise. Soll sagen: Vater streichelt uns, weil wir traurig über leere Auftragsbücher sind.

Aber warum beschränkt er dieses Bild lediglich auf den Umgang mit der Wirtschaft? Otto Schily, Grenze dicht, Verbrecher wegsperren usw.: "Politik der harten Hand". Joschka Fischer, George W. Bush nett, Putin auch nett, alle nett: "Politik der ausgestreckten Hand". Hans Eichel, Geld garantiert zurück: "Politik der offenen Hand". Walter, wo bleibt mein Arbeitsplatz, Riester: "Politik der schwieligen Hand". Ulla Schmidt, Kassenchaos, Ärztestreik, trotzdem: "Politik der heilenden Hand". Oder eher "Politik durch Handauflegen", weil ja in der Gesundheitspolitik doch nichts mehr passiert? Renate Künast, keine Frage: "Politik der grünen Hand".

Ist es ein böser Gedanke, wenn man sich überlegt: Die Rede von der ruhigen Hand soll doch nur sicherstellen, dass die Wähler der Regierung Schröder im kommenden Jahr wieder ihre kostbare Stimme aushändigen? Der Gedanke hat Hand und Kopf. Klingt aber gemein. Ich wasche meine Hirnwindungen in Unschuld.

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