Politik : Hinter den Linden: Hinter den Worten

Robert Birnbaum

Nicht nur im Wein steckt Wahrheit - auch in der Sprache gelegentlich. Man muss sie, die Wahrheit, nur herausfiltern. In früheren Zeiten haben Scharen von Philosophen versucht, den geheimen Sinn der Worte zu ergründen. Denn sie waren fest davon überzeugt, dass die Begriffe nicht willkürliche Buchstabenfolgen sind, sondern Abbild einer höheren Wirklichkeit. Wir Heutigen haben mit höheren Wirklichkeiten Probleme. Wahrscheinlich ist darum die Kunst des Anagramms ein wenig aus der Mode geraten.

Ein Anagramm ist, wenn man die Buchstaben eines Wortes durcheinander schüttelt, und heraus kommt ein anderes. Nehmen wir zum Beispiel "Gerhard Schröder". Aus dem wird, neu gruppiert, "Gerd, der Herr Chaos" - was schwerlich zu bestreiten ist. Überhaupt erkennen wir im gerüttelten Politiker manch tiefe Wahrheit. Im Frankfurter Straßenkämpfer Joschka Fischer steckt die bange Frage: "Frass ich Koch je?", während sich aus besagtem Roland Koch, Hessen, zutreffend ergibt: "Den roch Kohls Nase". Angela Merkel - "Klare Maengel". Kurt Biedenkopf - "BRD funkte Kopie". Guido Westerwelle - "Gerede wie Wollust". Volker Rühe - "Keule hervor". Jürgen Trittin "ritt jung in Teer". Renate Künast "kanterte Sauen" - die Landwirtschaft also schon in die Wiege gelegt. In Edmund Stoiber verbirgt sich kein Kanzlerkandidat, aber bundesweit isser schon: als "Bundesdomtier".

Vielleicht hatten jene Philosophen ja doch recht, und hinter den Worten lauert eine höhere Wirklichkeit. Der letzte Beweis fehlt. Aber wenn Sie mal versuchsweise den Tagesspiegel schütteln, was kommt da raus? "Geistesplage", weiß "Bube irrt abnorm".

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