Politik : Hinter den Linden: Im Eimer

Carsten Germis

Am Anfang sah es so aus, als würden die Abgeordneten des Bundestages das Kunstwerk nicht so recht annehmen wollen. Das Kunstwerk ist ein Holztrog im nördlichen Lichthof des Reichstagsgebäudes, der 21 Meter lang und sieben Meter breit ist. In ihm strahlt ein Schriftzug, in dem gönnerhaft geschrieben steht, wem das Werk gewidmet ist: "Der Bevölkerung". Aufgabe der Parlamentarier ist es, Erde aus ihrem Wahlkreis mitzubringen und in diesen Holztrog zu schütten. Die Erde aus allen Teilen der Republik soll den Schriftzug umgeben und gleichzeitig das Werk des Künstlers Hans Haacke begrünen. Wachsen darf alles, was mit der Erde in die Hauptstadt kommt. Anfangs brachte kaum jemand einen Kübel Erde mit, doch in diesen Tagen nehmen die Erdaufschüttungsaktionen im Parlament erkennbar Dimensionen an. Der Trog füllt sich. Auch die sachsen-anhaltinischen Mitglieder der PDS-Fraktion schritten in dieser Sitzungswoche zur gemeinsamen Aktion. In einer Pressemitteilung war das als Aktion "der Landesgruppe Sachsen-Anhalt mit regionalen Zutaten für das Haacke-Projekt" angekündigt worden. Erde aus Sachsen-Anhalt also in größeren Mengen in Berlin. PDS-Fraktionschef Roland Claus war dabei und brachte Erde aus dem Zentrum von Halle an der Saale, die er dort wohl an einem der wenigen unberührten Ecken in den Kübel füllte. Ebenfalls dabei die Vizepräsidentin des Bundestags, Petra Bläss. Sie, die mittlerweile in Berlin wohnt, kam mit "fruchtbarem Ackerboden" aus der Umgebung der Lutherstadt Wittenberg. An diesem Freitag geht die Erdauffüllung weiter. Dann hat sich Bundesumweltminister Jürgen Trittin angemeldet. Er bringt einen Eimer Erde aus Göttingen.

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