Politik : Hinter den Linden: Im Namen des Schönen

Markus Feldenkirchen

Hätte man ein bisschen besser recherchiert, wäre Ronald Barnabas Schill vielleicht gar nicht als "Richter Gnadenlos", sondern als "Richter Gamshut" bekannt geworden. Dem "Hamburger Abendblatt" ist zu danken, dass wenigstens jetzt, reichlich spät, die Geschichte des selbst ernannten Verbrechensbekämpfers und Sicherheitsfanatikers neu geschrieben werden muss. Denn über den Hamburger Innensenator wurden bislang unbekannte Details aus seinem Vorleben publik. Der stets korrekt gekleidete und gut parfümierte Chef seiner "Partei Rechtsstaatliche Offensive" tat schon zu Studentenzeiten, was er am besten kann: sich selbst verkaufen. Er jobbte einige Jahre als Model, nicht gerade für Hochglanzmagazine, eher für bodenständigere Zwecke. So sieht man ihn auf einem Werbefoto für das multithematische Fachmagazin "Wild und Hund". Und plötzlich scheint auch geklärt, woher Schills Vorliebe für Bayern rührt. In Schill, der seine Partei gerne als CSU des Nordens bezeichnet, muss schon damals eine tiefe Liebe zu allem Älpischen geschlummert haben. Sonst hätte er sich für die Anzeige, eine Werbung für den "Wild und Hund Radiowecker", nicht als schlafender oberbayerischer Gamsjäger inklusive Janker und Filzhut ablichten lassen. Interessant auch eine zweite Anzeige, in der Schill für einen Klebstoff lächelt. Das spätestens seit dem Kokain-Haar-Test schüttere Haupt war damals noch voll und wallend wie das Fell eines Pudels. Es zeigt sich aber auch bei diesem Model-Auftrag die Geradlinigkeit in der Vita des rechtschaffenden Richters. Bei dem Produkt handelte es sich nicht um irgendeinen Kleber - es war ein "Sicherheitskleber".

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