Politik : Hinter den Linden: Im Stau

Carsten Germis

Viel ist die Rede vom Internet und den Möglichkeiten, die es bietet. Die Kommunikation ändert sich, wird schneller. Etwas passiert in der Welt, und schon ist die Information im Netz zu lesen. Ganz so schnell geht es natürlich nicht. Doch auch auf der Sommerreise des Bundeskanzlers durch die neuen Länder zeigte sich, dass Internet und neue Zeit eine Rolle spielen im Leben und in der Politik.

Ein junger Mitarbeiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung war da immer dabei, als Gerhard Schröder durch die Lande tourte. Das Ergebnis findet der politisch interessierte Staatsbürger Tag für Tag aktualisiert und erweitert unter www.bundesregierung.de. Zur Flash-Version oder zur HTML-Version weisen die Hinweise: "Verfolgen Sie hier den Reiseverlauf und unsere aktuelle Berichterstattung von den einzelnen Stationen und Begegnungen." Erster Tag, zweiter Tag, dritter Tag, vierter Tag, fünfter Tag: auf jeweils zwei, drei Seiten ist nachzulesen, was der Kanzler erlebte.

Zum Beispiel bei Grenzschützern in Eisenhüttenstadt. "Der Bundeskanzler zeigte sich erstaunt über die Informationen, dass polnische Touristen in Deutschland deutlich mehr und hochwertigere Güter einkaufen, als die Deutschen in Polen - was einmal mehr zeigt, welche wirtschaftlichen Chancen der EU-Beitritt Polens auch im Grenzgebiet für Deutschland bewirkt", heißt es da. "Die Reise ging dann weiter ..." Eine Woche lang geht das noch weiter, wobei die Reise möglicherweise um einige Stationen gekürzt werden muss, wenn Bundeskabinett und Bundestag in der kommenden Woche über die Beteiligung der Bundeswehr an einem Nato-Einsatz in Mazedonien entscheiden müssen.

Schneller als Zeitungen ist das Medium allerdings kaum. Überhaupt bleibt vieles auch bei neuen Kommunikationstechniken menschlich, allzumenschlich. Das zeigte sich am fünften Tag der Reise. Da tippte der junge Mann seinen Tagesbericht in den hochmodernen Laptop, während der Bus auf dem Weg nach Berlin in einem 20 Kilometer langen Stau stand. Plötzlich erscholl ein lautes "Scheiße." System abgestürzt, Text weg - alles musste ein zweites Mal geschrieben werden. So ist das eben in der modernen Kommunikations- und Informationsgesellschaft. Stau auf den Straßen und den Datenbahnen.

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