Politik : Hinter den Linden: Im Stehen schlafen

Stephan-Andreas Casdorff

Da hat der Herr Däke vom Steuerzahlerbund, gewissermaßen unser aller Sprecher, doch gerade gesagt, er habe kein Verständnis dafür, dass die neuen Abgeordnetenbüros mit teuren Designermöbeln in Sonderanfertigungen ausgestattet würden. Wo das Volk den Gürtel enger schnallen solle, erklärte er, müssten die Volksvertreter mit gutem Beispiel vorangehen. Unser Herr Däke muss hier etwas missverstanden haben. Und er kann noch nicht in den neuen Büros gewesen sein.

Die Sache verhält sich nämlich so: Einer wie Heiner Geißler ist ein gutes Beispiel. Er schreibt viele Bücher, hat viele Bücher - und ist mit ihnen eingepfercht in seinem kleinen Zimmer. Immerhin sollen ja außer Büchern auch noch ein paar Sitzmöbel und möglichst ein Schreibtisch darin Platz haben. Geißler also hätte schon mal keinen Raum für eine Liege. Höchstens für eine hochkant aufgestellte. Aber wer kann schon so liegen. Auch noch ohne den Gürtel zu lockern.

Von daher erklärt sich dann durch Augenschein, dass Sonderanfertigungen nötig sind: Standardmodelle würden nirgendwo hineinpassen. Die Zahl von 157 Liegen sollte schon aufmerken lassen - aber nicht, wie man meinen könnte, weil es so viele wären, sondern im Gegenteil so wenige. Die Zahl der Abgeordneten liegt bekanntermaßen noch weit über 600. Wenn von denen nicht einmal die Hälfte eine Liege hat, zeigt das, wie viele kleine Räume haben müssen. Das müsste unseren Herrn Däke eigentlich beruhigen. Hinzu kommt, angesichts der aktuellen Lage: Wo keine Liegen, da keine Schläfer. Mögen die Liegen auch "Living Platform" heißen.

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