Politik : Hinter den Linden: Import, Export

Robert von Rimscha

Jetzt, wo Weihnachten naht, muss man sich vorsehen. Die Städte haben ihre Märkte; zu Tausenden drängen sich die Erwartungsfrohen um Lebkuchenhäuser und Christbaumschmuck. Möglicherweise gläubige Menschenmassen: Das ist die See, in der sich prächtig fischen lässt. Aus dem Saarländischen ist zu hören, dass dortige Marktbesucher sich ängstlich umsehen, ob nicht der Oskar Lafontaine in ihrer Nachbarschaft flaniert. Der ist unausgelastet. Die paar Talkshows und Gastkolumnen für "Bild" reichen einem Fast-Kanzler nun wirklich nicht. Dabei hat er doch so viele Ideen, gute, gläubig machende!

Jetzt hat Lafontaine die Greencard für Politiker gefordert. Das soll wohl bedeuten, dass Regierende grundsätzlich von außen kommen sollten. Und nach fünf Jahren ist Schluss. Ist der ehemalige Chef aller Sozialdemokraten wirklich der Ansicht, dass wir so dramatisch schlecht regiert werden, dass ein Import allemal dem Heimischen vorzuziehen ist? Oder meint Lafontaine alles ganz anders, träumt er von der Welt-Einsatzbrigade der Profi-Politiker? Argentinien hat gerade eine richtig gute Finanzkrise, das wäre doch was für einen wie Oskar.

Auf unseren Gabentisch legt Lafontaine also viele kleine Ideen, nett verpackt und schillernd präsentiert. Und er hofft wohl, dass wir nicht so genau darauf sehen, ob drinnen Sachen stecken, die ein längst abgelaufenes Verfallsdatum tragen. Weihnachten und Lafontaine: Die kommen eben immer wieder. Freudig erwartet oder mit Grausen verachtet. Lieber Weihnachtsmann, Du bist doch auch Internationalist. Nimmst Du den Oskar gleich mit nach Argentinien?

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