Politik : Hinter den Linden: Junge Garde

Matthias Meisner

Es könnte sein, dass die PDS den Posten inzwischen abonniert hat. Erstmals stellte sie 1994 den Alterspräsidenten des Bundestages - Stefan Heym setzte damals bei seiner Rede Maßstäbe. 1998 wurde dann der frühere SPD-Politiker Fred Gebhardt für die PDS ins Parlament gewählt - und durfte im Alter von 70 die erste Sitzung nach der Wahl eröffnen. Dieses Jahr nun stellt die PDS mit dem DDR-Radsportidol Täve Schur schon wieder einen aussichtsreichen Kandidaten für das Amt.

Was ihre Mitgliedschaft angeht, hat die PDS den höchsten Altersdurchschnitt aller Parteien - und so ist es auf den ersten Blick nur fair, wenn sie jetzt ihrer politischen Konkurrenz anbietet, selbst Akzente in der Eröffnungssitzung des nächsten Bundestages zu setzen. Vom inzwischen verstorbenen Abgeordneten Fred Gebhardt selbst stammte der Vorschlag zur "Traditionserweiterung", wonach auch das jüngste Mitglied des Parlaments die Gelegenheit zu einer Ansprache in der ersten Sitzung nach der Wahl erhalten sollte.

Jetzt will die PDS Nägel mit Köpfen machen - und hat die Anregung als Antrag in den Bundestag eingebracht. Reaktionen von den anderen Fraktionen gibt es bisher nicht. Doch vielleicht blättern dort noch alle im Abgeordnetenhandbuch, um ihre Chancen zu sondieren. Die Polit-Punkerin der PDS, Angela Marquardt, ist letztes Jahr 30 geworden - ihre Zeit als potenzielle Juniorpräsidentin ist schon abgelaufen. Jüngster Abgeordneter derzeit ist der 25-jährige Erfurter Bankkaufmann Carsten Schneider (SPD). Ein Blick in die Wahlkreise: Haben die anderen Parteien jüngere Nachwuchspolitiker in Reserve?

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