Politik : Hinter den Linden: Keine Konkurrenz

Clemens Wergin

Der Osten, ein Rentnerparadies. Wo sich Deutschlands Alte beim Cocktail an der Ostsee von alten Zeiten erzählen. Und mit zu Altersheimen umgebauten Hotelschiffen die Elbe runter schippern - vorbei am frisch auf alt getrimmten Dresden. So stellt sich Egon Bahr die Zukunft Ostdeutschlands vor - ab mit den Alten in die neuen Länder. Thierse habe noch untertrieben, sagte Bahr der "Woche". Der Osten stehe nicht auf der Kippe - er habe schon angefangen zu rutschen. Der Beweis: Die Jungen wandern ab. Da müsse man sich überlegen, ob es nicht besser wäre, den Osten zu "einer Art deutsches Florida" zu machen. Schließlich handele es sich hier um ein "hochinteressanten Ruhesitz für ältere Menschen". Von Italien lernen heißt verlieren lernen, muss sich Bahr gedacht haben. Die haben mit ihrem "Mezzogiorno" ähnliche Probleme. Nur schon ein paar Jahrzehnte länger. Nachdem Romano Prodi die letzten Wahlen gewonnen hatte, verkündete er, der Süden müsse zum Florida Europas werden. Auch er hatte damals die deutschen Rentner im Blick. Trotzdem haben die sich mit ihren Alterswohnsitzen nicht südlicher als bis in die Toskana vorgewagt - ein Imageproblem. Was man daraus für den Osten lernen kann? Zunächst: Wenn jemand die Florida-Keule auspackt, heißt das, uns fällt nichts mehr ein. Zweitens: Deutschlands Alte sind begehrt. Von den Kanarischen Inseln bis an die polnische Grenze buhlt man um sie. Da hat der Osten schlechte Karten. Bei den Sonnentagen haben Mallorca und Palermo die Nase vorn - ein Standortproblem. Auch was die Qualitäten als Alterswohnsitz angeht, gilt offensichtlich Wolfgang Thierses Wort vom "Osten auf der Kippe".

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