Politik : Hinter den Linden: Kindergarten-Frage

Hans Monath

Zimtsterne schon im August, KaufhausLichterschmuck im Oktober, Adventskalender im November - immer früher traktieren Fabrikanten und Händler die Öffentlichkeit mit allen möglichen Instrumenten der Weihnachtsstimmung. Vor allem Kinder kriegen glänzende Augen, wollen sofort alles haben und fühlen sich dann wie einen Tag vor der Bescherung.

Am Mittwoch erreichte die Adventswelle den Bundestag. Eine Schar von Kids mit roten Nikolausmützen besichtigte den Reichstag. Irgendwer ließ die Gruppe jedenfalls vom Besuchereingang an der Nordseite in das Foyer vor dem Plenum. Da drängelten sich die Gruppe aus der Kita Siemensstadt schnell vor der gläsernen Trennwand zum Debattensaal und hielt nach jenem Politiker ausschau, bei dem in der Kindersprache Funktion und Name einfach in einen Begriff fließen: "Wo ist der Schröderkanzler?" Der Mann, den alle aus dem Fernsehen kennen, war jedoch aus der Perspektive von gerade 1,20 Meter Höhe nicht auszumachen. Die Erzieherin wollte ihre Schutzbefohlenen deshalb auf eine andere politische Persönlichkeit von relativer Bekanntheit aufmerksam machen: "Da kommt die Angie!" Allein, die Kinder zeigten sich desinteressiert und wollten sich partout nicht für die Chefin der größten Oppositionspartei begeistern. Damit ist die K-Frage entschieden, nicht die zwischen Edmund Stoiber und Angela Merkel, sondern die zwischen dem Kanzler und der CDU-Chefin. In der Kindergarten-Frage siegt der Regierungschef um Längen. Eine Weg weisende Entscheidung. Es kommt schließlich im Bundestag nicht oft vor, dass es vor dem Plenum statt im Plenum zugeht wie im Kindergarten.

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