Politik : Hinter den Linden: Kinderpolitik

Hans Monath

Wer einen Politiker aus der Bundespolitik einlädt, muss immer damit rechnen, dass der Vielbeschäftigte zu spät kommt. Erfahrene Veranstalter verschieben den Auftritt des wichtigen Redners deshalb gerne nach hinten und eröffnen den Termin auch schon, wenn der Gast noch im Stau steht oder im Bundestag abstimmen muss. Auch die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz ließ am Montagvormittag lange auf sich warten. Eingeladen hatte der Deutschlandfunk die sozial- und kinderpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion zu einer kleinen Runde, die über Familienpolitik sprechen sollte. Die Moderatorin schien schon nervös zu werden, weil der Stuhl von Ekin Deligöz lange leer blieb. Als die in der Türkei geborene Abgeordnete, die Mitglied der Bundestags-Kinderkommission ist, zwanzig Minuten späterdann im Studio erschien, präsentierte sie allerdings einen triftigen Grund für ihre Verspätung: "Ich habe nämlich erfahren, dass ich Mutter eines Jungen werde", sagte sie ins Mikrofon. Dann sprach die 29-Jährige, die gerade vom Frauenarzt kam, schon wieder über den Unterschied zwischen "relativer und absoluter Armut" in Deutschland. Der Moderatorin blieb gerade noch Zeit zu gratulieren. Dabei hatte die Bayerin mit dem türkischen Namen doch gerade bewiesen, dass manche Politikerinnen ihr Arbeitsgebiet sehr ernst nehmen - in ihrem Fall eben die Kinderpolitik. Wenn ihr Baby im August zur Welt kommt, will die Abgeordnete übrigens im Parlament weiterarbeiten. Für das Kind ist laut Mutter auch ohne Babypause gesorgt: "Der Papa will stärker mit anpacken." Was zeigt: Auch Angehörige von Politikern können sehr überzeugende Beiträge zur Kinderpolitik leisten.

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