Politik : Hinter den Linden: Kleiderordnung

Carsten Germis

Mit der Kleidung im Parlament ist das so eine Sache. Weit verbreitete Dienstkleidung der Herren unter den Volksvertretern ist der gedeckte Anzug. Wobei nach dem Regierungswechsel 1998 auffällt, dass vor allem die Abgeordneten von Bündnis90/Die Grünen durch modischen Schick auffallen.

Nehmen wir nur die beiden Minister, Joschka Fischer und Jürgen Trittin. Die machen schon Figur. Das war nicht immer so. Vor knapp 20 Jahren, als die Grünen erstmals in den Deutschen Bundestag einzogen, sah das noch ganz anders aus. Da fühlten sich die Volksvertreter aus ihren Reihen noch als Alternative. Anti-Partei wollten sie sein, mit den Etablierten so wenig wie möglich zu tun haben. Das machte sich auch an der Kleidung fest. Im Pullover traten die Herren ans Rednerpult, die Krawatte war völlig out.

Das stieß natürlich vor allem bei den Honoratioren der großen Volksparteien unangenehm auf. Die legten auf die Kleiderordnung mehr Wert. Aber waren es wirklich die Grünen, die damals die Kleiderordnung des Bundestags durchbrochen haben? Der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende Vogel erinnerte sich in einem Interview 1984 anders. "Nicht die Grünen, sondern die Herren der Berliner CDU haben die Kleiderordnung durchbrochen", sagte er. "Die kamen schon viel früher ohne Krawatten."

Ja, ja, die Berliner CDU. In politischen Stilfragen haben sich die Herren in jüngster Zeit bekanntlich auch nicht mit Ruhm bekleckert, wenn man an die Vorgänge um die Bankgesellschaft in der Hauptstadt denkt. Aber immerhin stimmte die Kleiderordnung. Die Herren trugen Krawatten während ihrer Geschäfte.

» Mehr lesen? Jetzt gratis Tagesspiegel testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar