Politik : Hinter den Linden: Kleinanzeigen

Robert Birnbaum

Guten Tag, meine Damen und Herren! In unserem Seminar für Führungskräfte des Verlagsgewerbes wollen wir uns heute dem Thema "Anzeigenwerbung - gestern und heute" zuwenden. Die Geschichte der Reklame reicht zurück in unsere floralen Ursprünge. Schon die Rose lockt mit roter Aufmachung die zur Bestäubung benötigten Insekten an. Das Prinzip finden Sie im Tierreich perfektioniert zum (männlichen) Prachtkleid bei Gockelhahn, Mandrill und Generalfeldmarschall. Können und - mutmaßlich - wollen jene Wesen die Reklame nur zu naturgegebenen Zwecken nutzen, schritt der Urmensch zur bewussten Gestaltung. So handelt es sich bei den bekannten Höhlenzeichnungen mitnichten um magische Beschwörungen, sondern um die Firmenschilder neandertalischer Schlachter und Pferdezüchter. Typ Zwei, die Schleichwerbung, datiert zurück bis aufs Nibelungenlied, wo wir modernem Product Placement für Schwerter aus diversen Markenproduktionen (Nothung AG, Balmung GmbH & Co) begegnen. Selbst die Kleinanzeige ist nicht neu. Im Schutt von Babylon fand sich dieses Keilschrift-Dokument: "Biete größeren Posten Notiz-Ziegel, nur drei Mal gebraucht, gegen gut abgehangenen Hammel."

Erst in unseren Tagen allerdings ist es gelungen, alle drei Grundtypen zu kombinieren. Ich habe Ihnen hier die Seite Eins einer bekannten Zeitung mit vier Buchstaben mitgebracht. Sie konnten dort am Freitag lesen: "Frau Wussow sucht einen neuen Mann" sowie "Schröders suchen neue Wohnung". Sollten Sie ebenfalls eine solche Kleinanzeige aufgeben wollen, vergessen Sie bitte nicht die Rubrik anzugeben: "Sie & Er" oder "Immobilien".

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