Politik : Hinter den Linden: Kleine Größe

Robert von Rimscha

Die Statistiker finden ja schon interessante Dinge heraus. Bei Wahlen in den USA gewinnt stets der Kandidat, der weniger Glatze hat. Dies ist belegt. Meist gewinnt auch der Größere, aber da gibt es Ausnahmen. In Deutschland ja auch. Helmut Kohl und Bill Clinton waren ungefähr gleich groß. George W. Bush und Gerhard Schröder sind es auch, aneinander gemessen, aber im Vergleich mit ihren Konkurrenten Al Gore und eben Helmut Kohl sind sie deutlich kleiner. Bushs Vater, der Ex-Präsident, war es, dem die Satiriker von "Saturday Night Life" einst eine Wahlwerbung unterschoben, die ihn als größer - und weißer - als Gegner Mike Dukakis pries.

Die Körpergröße des Kanzlers regt derzeit die Flaneure und Touristen an, die am Willy-Brandt-Haus vorbeikommen. Dort steht ein Papp-Schröder, genauer gesagt: Er schwebt ungefähr zwei Zentimeter über der Sockelplatte, die dem SPD-Chef ihrerseits zwei zusätzliche Zentimeter beschert. "Der is doch viel kleener, also in jedem Fall kleener wie ick!", meinte am Freitagmittag ein vorbeischlendernder Herr in Schröders Alter, aber mit sommerlich kurzen Jeans bekleidet.

Wie es aussieht, haben die Sozialdemokraten nicht wirklich geschummelt und den Regierungschef etwa medientechnisch gestreckt. Nur Weißraum oben und unten lässt den Kanzler ein wenig wachsen. Wir wissen ja auch, dass körperliche und politische Größe recht wenig korrelieren. Zum Beispiel Alexander der Große oder Napoleon: Winzlinge. George Washington: ein Riese seiner Zeit, der ein Spezial-Bett brauchte. Zwischen Napoleon und Kohl: Kanzler Schröder liegt eben auch größentechnisch in der geliebten Mitte.

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