Politik : Hinter den Linden: Kleiner Stadtführer

Stephan-Andreas Casdorff

Wo wir gerade auf die Linden schauen und uns fragen, was diese Woche wohl bringen wird, politisch - da fällt uns auf: Heute, am Montag, vor einem Vierteljahrhundert wurde SED-Generalsekretär Erich Honecker zum Vorsitzenden des Staatsrats und des Nationalen Verteidigungsrats der DDR gewählt. Für die Jüngeren (man vergisst ja so leicht, wie schnell die Zeit vergeht, wie lange die Mauer schon nicht mehr steht): Honecker bekleidete damit die wichtigsten Partei- und Staatsämter. Dies nebenbei, für die Älteren: Willi Stoph wurde anstelle von Horst Sindermann zum neuen Vorsitzenden des Ministerrats gewählt. Ach Gott, der Stoph ...

Aber gehen wir weiter unter den Linden, ganz in Gedanken. Da liegt zur Linken das verlassene Staatsratsgebäude, wo für Jahrzehnte in riesigen Sälen der sowohl als auch kleine Genosse Erich residierte. Der Gernegroß. Der in seinem Diensthubschrauber spießige Vorhänge an den Fenstern hatte, damit es gemütlicher wirke. Ach Gott ja. Und gegenüber steht majestätischer denn je der Berliner Dom.

Und die Gedanken wandern zum Brandenburger Tor, wir stehen jetzt davor, schauen geradeaus, sehen in der Ferne die Siegessäule, erahnen dahinter den Platz, der nach Ernst Reuter benannt ist. Reuter - wir erinnern uns, nicht wahr?

Es geht weiter. Was der Montag wohl bringt? Aufschluss darüber, ob Sozialdemokraten und PDS in Berlin eine Koalition eingehen. Es gibt Genossen hüben und drüben, die das eine "Große" nennen. Das nennt man: Farbe bekennen. Es wird, so oder so, ein historischer Tag, an den wir uns erinnern werden.

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