Politik : Hinter den Linden: Kompetent

Robert Birnbaum

Wir, die wir mit Kugelschreiber und Block gerüstet hinter den Linden umherschleichen, wir haben es ja auch nicht immer einfach. Aber zu den elektrischen Kollegen - kein Vergleich. Mühsam muss das Mikrofon durchs Gewühle hindurchgestreckt werden, damit das Tonband die Worte des wichtigen Politikers für die vorläufige Ewigkeit aufzeichnen kann. Mächtig reckt und windet sich der Kollege Kameramann, um den wichtigen Politiker redenderweise ins Bild zu bekommen. Unsereiner kann ja hinterher bei denen weiter vorne nachfragen, was er denn gesagt hat, der Politiker. Aber die Stimme, das Bild - sie verwehen ins Nichts.

Darum zieht sich gerne, wer ein Interview zu führen hat, ein bisschen zurück. Stand also neulich ein Kollege - auch der besseren Beleuchtung wegen - mit seiner Kamera im Umgang eines der Lichthöfe im Reichstag. Doch das Gespräch mit einer wichtigen Politikerin, es gestaltete sich schwierig. Weil nämlich ein paar Meter oberhalb die Aussichtsterrasse liegt. Von da beugte sich eine halbe Schulklasse kichernd über die Brüstung - so laut kichernd, dass das Mikrofon es auch deutlich mit aufnahm.

Es hat dann der Kollege aber den Kids mit erhobenem Finger gedroht. Wenn da jetzt nicht sofort Ruhe sei, ließ er wissen, dann werde er die da oben wegschaffen lassen! Die wichtige Politikerin hat ihn erstaunt angeschaut - dazu, so meinte sie, habe er doch gar nicht die Kompetenz. Aber die Kids haben schnell die Köpfe eingezogen und sich verkrümelt. Woraus alle Beteiligten wieder einmal lernten: Kompetenz ist keineswegs nur eine Frage von Amt und Würden.

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