Politik : Hinter den Linden: Lachen im Sozialismus

Markus Feldenkirchen

Oft sind es ja die Kleinigkeiten, die uns andere Menschen sympathisch machen. So kann es schon die Art sein, wie jemand niest, eine Tasse Tee trinkt, welche Musik er hört, die größtes Entzücken im Gegenüber hervorrufen. Parteien haben es da schwerer: Sie sind selten erkältet, trinken keinen Tee und singen selbst - staubige Lieder zum Ausklang von Parteitagen. Meistens singen sie auch noch falsch.

Schwierig also. Trotzdem. Es gibt sie, die Kleinigkeiten, die uns eine Partei sympathisch erscheinen lassen. Ganz oben steht da die Gabe zur Selbstironie. Schade also für die PDS, dass wir jetzt, ausgerechnet in den Tagen ihres Dresdner Parteitags, Folgendes lesen müssen: "PDS-Mitglieder verstehen grundsätzlich keinen Spaß, besonders wenn es um die eigene Partei geht." Geschrieben von Christine Ostrowski in ihrem minikleinen roten Buch: "Ossis PDS-Gesetze". Untertitel: "Warum auch in der PDS alles schief geht."

Das Büchlein der Dresdner PDS-Vorsitzenden ist den Delegierten auf die Tische gelegt worden. Dort können sie zum Beispiel das 18. PDS-Gesetz nachlesen, das Finanzgesetz, bei dem man sich aber fragen muss, ob es nicht den Tatbestand des parteischädigenden Verhaltens betrifft: "Würde ein Schatzmeister der PDS zufällig Bundesfinanzminister, käme es zwangsläufig zum sicheren Staatsbankrott." Soweit, so richtig, so witzig. Und während man noch über das Wesen des Zufalls räsoniert, startet Parteichefin Gabi Zimmer mit ihrer Rede eine gezielte Attacke gegen die Wachheit der Delegierten. Die Attacke misslingt. Wegen des Buchs von Christine Ostrowski. Einige Genossen sollen sogar ganz im Ernst gelacht haben. Über sich selbst quasi. Schön. Und jetzt: singen!

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben