Politik : Hinter den Linden: Lächeln, steuerfrei

Carsten Germis

Wer hat sich noch nicht irgendwann mal darüber geärgert? Da sitzt man irgendwo in Berlin in einem Restaurant oder in einem Café und hat beständig das Gefühl, dass man sich als Gast beim Kellner entschuldigen muss. Entschuldigen dafür, dass man es überhaupt wagt, etwas zu bestellen. Womöglich gar mit Sonderwünschen. Entschuldigen dafür, weil man dann das Bestellte auch noch in überschaubarem Zeitraum am eigenen Tisch erwartet. Das ist natürlich nicht immer so, denn meistens funktioniert es mit der Dienstleistung ganz gut. Vielleicht sind die Ausnahmen in Berlin nur etwas zahlreicher. Für freundlichen Umgang miteinander ist die Hauptstadt ja nicht bekannt. Diese Erfahrung muss auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Ernst Burgbacher gemacht haben. Er möchte daher, dass sich die Gäste in Gaststätten wieder wohler fühlen können und vielleicht sogar mal freundlich angelächelt werden. Sein Vorschlag, dieses zu erreichen: weg mit der Trinkgeldbesteuerung. Trinkgelder seien nämlich keineswegs, wie Finanzminister Hans Eichel uns weis machen will, "Arbeitslohn von dritter Seite". Nein, sie sind eine Schenkung des Gastes an die, von denen er sich gut bedient fühlt. "Es ist ein persönliches Dankeschön für eine überzeugende Dienstleistung", sagt Burgbacher. Wo aber bleibt die Motivation zu lächeln, wenn das gleich wieder versteuert wird? Burgbacher bleibt dabei: Mit der Abschaffung der Trinkgeldbesteuerung bringen wir das Lächeln im Service zurück! Minister Eichel sollte mal darüber nachdenken, ob er Berliner Restaurantbesuchern, Kneipengängern und Nachtschwärmern diesen Gefallen nicht tun will.

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