Politik : Hinter den Linden: Lecker Bratwurst

Markus Feldenkirchen

Im Prinzip ist Curt Bösenberg ein Mann der Weltgeschichte. Man findet ihn auf Fotos zwischen Altkanzler Helmut Kohl und Henry Kissinger, dem früheren Außenminister der USA. Ehrlich gesagt kann man nur Bösenbergs Wurst erkennen, ganz klein und nur, wenn man genau hinguckt. Das Foto von den Ex-Staatsmännern und Bösenbergs Wurst wurde aus dem Hotel Adlon geknipst. Bösenberg stand unten auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Dort, wo er immer steht mit seinem "Mobilen Fastfood Stand" (Spitzname: "Kleines Adlon"), dort, wo er bald nicht mehr stehen soll, weil es das Bezirksamt Mitte so will, aus ästhetischen und sonstwelchen Gründen.

Bis Oktober darf er jetzt noch bleiben. Zeit, noch mehr Promi-Geschichten zu sammeln, von Abgeordneten des Bundestages, die mittags mal auf ein "dolles Ding" (so Bösenberg) vorbeikommen, das mit bürgerlichem Namen "Grill-" und "Rostbratwurst" heißt. Oder auch mal auf zwei oder drei, wie Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch. Auch Hans Eichel war neulich da, ließ sich aber von Bösenberg keine Wurst spendieren, obwohl er knapp bei Kasse war. So kramte Eichel seine letzten Groschen zusammen. Es habe "so gerade gereicht", sagt Bösenberg.

Auf eines wartet er allerdings noch heute: dass Kanzler Schröder endlich sein Versprechen einlöst. Vor zwei Jahren sei Deutschlands prominentester Wurstliebhaber nämlich mal nach Wurstladenschluss vorbeigekommen, habe "Doll, was ihr hier macht" gesagt und zugesichert, bald wiederzukommen, tagsüber, wenn geöffnet ist. Bis Herbst hat der Kanzler noch Zeit, seine Versprechen einzulösen: beim Wähler und bei Wurst-Bösenberg.

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