Politik : Hinter den Linden: Leistungslohn

Robert Birnbaum

"Wie viel ist uns unser Ministerpräsident wert?" Ob der Dr. Michael Luther, Mitglied des Bundestages, auch nur im Entferntesten ahnt, was er mit dieser Frage anrichtet? Dr. Michael Luther ist Sachse und in der CDU und aus beiden Gründen ein glühender Anhänger des Prof. Kurt Biedenkopf. Den Prof. Biedenkopf hat nun neulich die Opposition geärgert mit der Frage, ob die Miete für seine Wohnung nicht ein bisschen niedrig ausfällt und ob es eigentlich richtig ist, dass die Putzfrau auch schon im kleinen Preis inbegriffen ist.

Der Dr. Michael Luther findet das kleinlich. Denn, schreibt er in einer Pressemitteilung, der Prof. Biedenkopf habe sich mächtig eingesetzt: "Selbst wenn die Effizienz von Biedenkopfs Wirken nur aus ökonomischer Sicht für Sachsen bewertet würde, muss ihm allein schon dafür eine hervorragende Leistungsbilanz bescheinigt werden."

Das ist nun ein interessanter Gedanke. In der Tat, was spricht dagegen, Politiker nach Leistung zu bezahlen? Biedenkopfs Salär errechnet sich dann aus einem bescheidenen Basisgehalt, multipliziert mit dem Mittelwert aus der Punktwertung im "Politbarometer" und dem Wirtschaftswachstum in Sachsen. Das Gehalt des Bundeskanzlers wird um das Dreifache der saisonbereinigten Arbeitslosenquote gekürzt. Der Arbeitsminister kriegt die Eckrente. Der Verteidigungsminister bekommt im Frieden vier Promille seiner Einsparungen und im Krieg nichts. Der Regierungssprecher wird nach Worten bezahlt.

Nur wie wir künftighin solche wie den Dr. Michael Luther entlohnen sollten - das bedarf dann noch eines längeren Nachdenkens.

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