Politik : Hinter den Linden: Leitplankenbeauftragter

Ulrike Fokken

Die rot-grüne Bundesregierung arbeitet ressortübergreifend. Jeder Minister nimmt regen Anteil an der Arbeit seiner Kabinettskollegen und alle ziehen gemeinsam an dem großen Strang, an dessen Ende irgendwo die Reform dieses so lange dahin dämmernden Landes hängt.

Außenminister Joschka Fischer denkt über neue Formen der Ernährung nach (Landwirtschaftsminister und Gesundheitsministerin), Arbeitsminister Walter Riester macht sich Gedanken über die Zuwanderung (Innenminister), Finanzminister Hans Eichel redet seit einem Jahr über Leitplanken (Verkehrsminister).

Eichel hat sogar einen selbst ernannten "Leitplankenbeauftragten", der jedoch besser als Sprecher des Ministers, namentlich als Torsten Albig, bekannt ist. Bei den Leitplanken handelt es sich auch nicht direkt um die grauen verzinkten Dinger am Straßenrand, sondern mehr philosophisch betrachtet um die Leitlinien der Eichelschen Finanzpolitik: Haushalt konsolidieren und gleichzeitig den Steuerzahler entlasten.

Egal ob durch die Schneisen einer mehrspurigen Autobahn oder die zuletzt schwindelerregenden Bergpässe, auf der die Steuerreform durch den Bundesrat gelenkt wurde - Albig leitete seinen Minister und sein größtes Reformwerk sicher in die Zustimmung. Seine persönlichen Leitplanken führen ihn nun in die Wirtschaft.

Albig soll zur Dresdner Bank wechseln, was die Bank bestätigt und das Finanzministerium dementiert. Zumindest den Leitplanken von Eichel bliebe Albig treu: Mehr Zeit, um Haushalt und Familie zu konsolidieren, bei gleichzeitiger Steigerung der Einnahmen.

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