Politik : Hinter den Linden: Ludwig, der Deutsche

Hans Monath

Einer der tragischsten Irrtümer des Berufslebens besteht darin, dass sich die meisten Menschen für unersetzbar halten. Dabei funktionieren viele Büros, Werkstätten, Abteilungen und Labors auch dann ganz wunderbar, wenn mal einer lange krank wird, in Erziehungsurlaub geht oder seine Stelle ganz aufgibt. Für noch unersetzlicher als Normalbürger aber halten sich Politiker. Für Regierungsmitglieder oder Parteiführer gibt es nichts Schlimmeres als die Vorstellung, eines Morgens aufzuwachen und festzustellen, dass ein anderer den eigenen Platz eingenommen hat.

Für Staatsminister Ludger Volmer vom Auswärtigen Amt ist dieser Albtraum nun fast wahr geworden. Die "International Herald Tribune" nämlich brachte am Montag einen langen Kommentar zum Verhältnis von EU und Kolumbien, den angeblich ein "Ludwig Volmer" mitverfasst hatte, der als stellvertretender deutscher Außenminister vorgestellt wurde.

Nun ist es von einer in Paris erscheinenden US-Zeitung sicherlich zu viel verlangt, sich mit althochdeutschen Wortstämmen und Namen auszukennen. Wahrscheinlich aber war ein Redakteur der "Trib" in deutscher Geschichte wenigstens so weit bewandert, dass ihm der Name Ludwig (berühmter Kämpfer) plausibler schien als Ludger (berühmter Speer) - das wäre dann der bekannte Fluch der Halbbildung. Wenige Tage zuvor hat allerdings die "Washington Post" einen Beitrag des deutschen Botschafters Wolfgang Ischinger gedruckt und seinen für US-Augen auch nicht gerade einfachen Namen korrekt buchstabiert. Was beweist: Manchmal ist es für Politiker ganz nützlich, keine berühmten Namens-Verwandten zu haben.

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