Politik : Hinter den Linden: Mal gut jetzt?

Robert von Rimscha

Uns drohen Monate praller Wowereit-Zitiererei. Sein "... und das ist auch gut so" schallt aus Feuilletons und Parlamenten, weil es so schlicht und unwiderlegbar daherkommt. Nur das "auch", das geht oft verloren. Ohne "auch" wird die, sagen wir mal: normative Komponente stärker. Wird das "auch" dagegen betont, wird aus dem ganzen ein Toleranzappell. Bleibt das "auch" erhalten, wird es aber nicht betont, sondern das "gut", bekommt der Halbsatz des Regierenden eine Wendung ins "jetzt lasst es mal gut sein".

Der deutschen Ausgabe des Internet-Suchdienstes Yahoo zufolge gab es am Sonntag 1330 Versionen von "und das ist auch gut so" im Netz. Wowereits Sentenz dient beispielsweise der Erläuterung des fristlosen Rauswurfs von Hausbewohnern. "Bei Mietverträgen besteht normalerweise eine Kündigungsfrist von mindestens drei Monaten. Und das ist auch gut so, damit kein Mieter sich von einem Tag auf den anderen auf der Straße wiederfindet." Die Firma Microsoft macht sich Wowereitsche Heilungs-Gedanken: "Die Stadt Bonn hat inzwischen in der Uniklinik Videokonferenzen für kranke Schüler eingerichtet. Mit Hilfe von Spenden sollen 15 digitale Klassenzimmerplätze eingerichtet werden. Und das ist auch gut so, denn der therapeutische Effekt des digitalen Klassenzimmers ist für den Genesungsprozess sehr wichtig."

Die normative Fassung "und das ist gut so" zeigt satte 2960 Einträge. Das Goethe-Institut in London hat britische Künstler zur Brecht-Adaption aufgerufen, und heraus kam unter anderem der Satz: "Der kranke Mann stirbt und der starke Mann ficht und das ist gut so."

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