Politik : Hinter den Linden: MdB, MP, M...

Robert von Rimscha

Die Globalisierung. Neben rutschenden Socken und nicht-klimatisierten Bussen gehört sie zu den Haupt-Sorgen. Aber: Nicht nur der kleine Mann leidet unter den Flexibilitätserwartungen, auch den hohen Tieren im Reichstag verlangt die vernetzte Welt so einiges ab. Praktische Frage: Wie erklärt man im Ausland, wer man ist?

Etliche Bundestagsabgeordnete halten für Reisen Visitenkarten bereit, auf deren Rückseite ihre Tätigkeit in englischer Sprache umschrieben ist. Nun gibt es mehrere Varianten jener Dinger, von denen wir seit "American Psycho" wissen, dass Menschen sich im Streit über Papiersorten und Schrifttypen in einen wahen Blutrausch steigern können. Erfahrene Reisende wie die Außenpolitiker Friedbert Pflüger von der CDU und Markus Meckel von der SPD haben sich für den erklärenden Zusatz "MP" entschieden. Das Kürzel steht für "Member of Parliament" und ist damit eine recht ordentliche Übersetzung für "Mitglied des Bundestages", wenn es auch ein wenig klingt, als säßen die Herren im Londoner Unterhaus.

Ein anderer Außenpolitiker, Christian Schmidt von der CSU, hat sich gegen das Kürzel entschieden. Stattdessen steht unter dem Namen auf der englischsprachigen Rückseite: "Member of the German Bundestag". Dies versteht, wer weiß, was "Bundestag" sein soll. Haarig wird es bei freieren Übertragungsversuchen. Es gibt teutonische Abgeordnete, die zücken bei Amerika-Reisen Visitenkarten mit der Behauptung "Member of the House of Representatives". Mitglied des Abgeordnetenhauses? Der zweiten Kammer im US-Kongress? Halt, Globalisierung, lasset unseren Bundestag unübersetzt!

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