Politik : Hinter den Linden: Mekka am Rhein

Robert Birnbaum

Wo liegt Mekka? So ungefähr weiß das jeder, irgendwie von hier aus nach Südosten. Aber wo genau? Und zwar genau aus der Perspektive des Petersbergs bei Bonn? Solcher Art sind die Probleme, mit denen sich ein Fünf-Mann-Kommando des Auswärtigen Amtes an diesem Wochenende herumschlägt. Ehrenvoll und gut mag es sein, kurzfristig eine Afghanistan-Konferenz auszurichten. Mühsam aber ist es auch. Nun haben die Routiniers aus dem Hause Fischer schon manche Konferenz mal eben so aus dem Boden gestampft. Nur reichen in diesem speziellen Fall die Bordmittel nicht sehr weit. Wer hat schon kiloweise grünen Tee auf Vorrat für den Fall, dass ein paar Dutzend afghanische Stammeskrieger vorbeischauen? Wer schlachtet all die Hühner, schafft Reis und Trockenobst heran? Irgend jemand muss sich darum kümmern, ein Schiff zu chartern für die ganz wilden Horden: Die Weltpresse wird auf den Rhein verbannt.

Auf den nebligen Höhen des Petersbergs noch immer Fragen über Fragen. Kennt einer einen, der einen kennt, der Dari spricht, Paschtu und Englisch? Es kennt keiner einen, Dolmetscher kommen jetzt aus London. Immerhin ist das Mekka-Problem mittels eines Kompasses gelöst: Der Salon "Sachsen-Anhalt" passt. Doch wie wäscht und wickelt man den Turban? Wie grüßt der Zimmerboy korrekt den Stammesältesten? Kleinigkeiten? Von wegen. Wie viele Friedensschlüsse mögen schon verpatzt worden sein durch schlechten Zimmerservice! Politik ist ein hartes Geschäft, aber es beruht manchmal auf weichen Matratzen: Unausgeschlafene Unterhändler neigen nicht zum Kompromiss.

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