Politik : Hinter den Linden: Mit dem Holzhammer

Robert Birnbaum

Liebe Erziehungsberechtigte!

Gewiss ist es auch Ihnen schon so gegangen: Ihre Kinder hocken mal wieder seit dreieinhalb Stunden vor dem Computer, treiben die Telefonrechnung in ungeahnte Höhen und sind nicht ansprechbar, weil sie aus vollen Rohren auf irgendwelche Weltraummonster ballern oder in düsteren Labyrinthen düstere Gestalten jagen. Sie als verantwortungsvolle Erziehungsberechtigte haben es sich zur Angewohnheit gemacht, solche Spiele daraufhin zu überprüfen, ob nicht die darstellten Szenen die zarten Gemüter Ihrer lieben Kleinen zu verletzen geeignet sind.

Leider müssen wir aber in letzter Zeit feststellen, dass Risiken und Nebenwirkungen eines Besuchs bestimmter Internet-Seiten von Eltern und Großeltern nicht immer ausreichend kritisch bedacht werden. So gilt es insbesondere in den besseren Kreisen unserer Gesellschaft leider immer noch als nicht nur harmlos, sondern sogar als positives Zeichen wachsender staatsbürgerlicher Bildung, wenn die lieben Kleinen sich per Internet bei unseren etablierten Parteien einwählen.

Entsprechend lax sind die Kontrollen. Die Folgen sind betrüblich. Kennen Sie zum Beispiel "Schwarzwild"? Nein? Dann wählen Sie sich einmal in stillen Stunden, wenn der Nachwuchs im Bett liegt, bei www.junge-union.de ein. Auf diesen Seiten finden sie jenes grause Spiel, dessen einziges Ziel es ist, aus imaginären Löchern auftauchenden Politiker-Köpfen vermittels eines virtuellen Hammers aufs Haupt zu hauen. Für Jürgen Trittin und Franz Müntefering bekommt der Spieler 1000 Punkte, für einen Treffer auf Jürgen W. Möllemann immerhin noch 18 Punkte.

Letzteren hat die niedrige Wertung offenbar nicht ruhen lassen. Die Folgen finden Sie unter www.werkstatt18.de . Auch dort gibt es ein Spiel, auch dort ein Hammer, aber diesmal geht es auf imaginäre Füße. Die gehören Unionspolitikern wie Friedrich Merz oder Günter Beckstein oder Angela Merkel und werden malträtiert zur Strafe für Sprüche wie: "Es dürfen bei uns nur nützliche Ausländer einreisen."

Liebe Erziehungsberechtigte, diese Beispiele zeigen: Politik im Internet ist alles andere als harmlos und für Kinder unter acht Jahren keineswegs geeignet! Verfügt Ihr Computer über einen Filter, mit dem Sie den Zugang zu zweifelhaften Seiten im Internet sperren können, blockieren Sie deshalb vorsichtshalber: cdu.de, spd.de, gruene.de, fdp.de...

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