Politik : Hinter den Linden: Montezumas Terror

Markus Feldenkirchen

In Zeiten des Terrors lebt ein menschlicher Urinstinkt auf, der nicht zu den sympathischeren zählt: die Rache. Aus dem Zentralorgan für menschliche und deutsche Urinstinkte erfahren wir dieser Tage immer wieder von neuen Rachegelüsten. "Trifft uns jetzt bin Ladens Rache?", fragte "Bild" zum Beispiel in dieser Woche, weil wir ja nun im Begriff sind, eigene Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Und ebenfalls in dieser Woche berichtete das Blatt von der Rache eines Herren, der vielleicht noch viel gefährlicher ist als dieser bin Laden, weil er nicht erst seit Jahren, sondern seit Jahrhunderten wehrlose Menschen schikaniert. Die Rede ist von jenem Herrscher der Azteken, der eigentlich Motecuhzoma (der zürnende Fürst) heißt, aber eher in der verballhornten Form als Montezuma bekannt ist. Dieser Herrscher hatte ja bereits im 16. Jahrhundert seine ganz eigene Form des Bioterrorismus angekündigt: Montezumas Fluch eben, der eigentlich als Reaktion auf die Eroberung Mexikos durch den Spanier Hernan Cortez gedacht war, dessen Schrecken aber noch heute durch Leib und Magen geht.

Montezumas Rache, das ist jene Krankheit, bei der man ... Nein, das gehört dann doch nicht in den hochseriösen politischen Teil einer Zeitung. Fest steht nur, dass Montezumas Netzwerk seit neuestem auch in Asien aktiv ist. Denn, so meldete die "Bild"-Zeitung, mehr als die Hälfte der Delegationsmitglieder, die den Bundeskanzler vergangene Woche auf seiner Reise nach China und Indien begleiteten, hatten sich mit einem Magen-Darm-Virus infiziert. Ganze 17 Gefährten litten noch eine Woche später, andere seien von einem Bundeswehr-Arzt mit Hilfe von Immodium-Tabletten vom Rachefluch befreit worden, so das Fachblatt für Inneres. Noch ist unklar, wie die Regierung auf den heimtückischen Anschlag reagieren wird. Bislang jedenfalls schnürt Innenminister Otto Schily noch kein Anti-Montezuma-Paket.

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