Politik : Hinter den Linden: München macht Mut

Antje Sirleschtov

Das war zweifellos einer der schwärzesten Tage in der deutschen Bundeshauptstadt. Statt über die Renovierung von Schulen und Kindertagesstätten zu beraten oder neue Gewerbegebiete für Schlange stehende Investoren auszuweisen, mussten die Landespolitiker im Abgeordnetenhaus die Bürger in Berlin mit neuen gut 20 Milliarden Euro schweren Risiken belasten. Der Grund dafür ist längst bekannt: Die tragische Kungelei von Politikern und Bankern hat die landeseigene Bankgesellschaft an den Rand des Ruins geführt. Wenn dann noch Gazetten hämisch titeln, "Seid verschlungen Milliarden", dann senkt ganz Berlin schmachvoll angesichts solch einer Pleite den Kopf.

Doch es gibt noch Hoffnung auf Absolution. Denn die Achse des Sumpfes windet sich keinesfalls ausschließlich entlang der Landesgrenzen von Berlin. Nein, sie führt wohl auch in direkter Linie nach Süden. Seit aus Deutschlands berühmtestem Unternehmer, Leo Kirch, Deutschlands berüchtigster Ex-Unternehmer geworden ist, richten sich die Blicke immer stärker auf die Bayerische Landesbank. Galt etwa im sonst so vorbildlichen München das gleiche Gesetz wie im siechen Berlin? Hat auch die Münchner Landesbank reihenweise hoffnungslos untersicherte Kredite nach den politischen Weisungen der Staatskanzlei ausgegeben? Sollte das beinahe Undenkbare möglich werden und sich nun der staunenden Öffentlichkeit ein Stoiberscher Polit-Bank-Skandal auftun, wie man ihn bislang nur vom Duo Diepgen-Landowsky kannte?

So schlimm solch ein Szenario auch wäre. Den Berlinern würde es einen Teil ihres derzeit sehr angeschlagenen Selbsvertrauens wiedergeben.

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