Politik : Hinter den Linden: Neue Grenzen

Robert von Rimscha

Zwölf Jahre und zwei Monate nach dem Mauerfall sind es nicht nur Ost-Nostalgiker und Grusel-Fans, die es schade finden, dass im Berliner Stadtbild kaum noch etwas an die Trennung mahnt. Die Erinnerung daran, was es bedeutete, an der Friedrichstraße von Westen kommend in eine andere Welt einzutauchen, verliert sich.

Doch derzeit steht Ersatz bereit. In der Dorotheenstraße in Mitte, gleich hinter dem Maritim, liegt eine Bar, die der 11. September in das Sperrgebiet rund um die US-Botschaft verschlagen hat. Wer sich nun aufmacht, einen Cosmopolitan zu trinken, landet in den Absperrgittern des Bundesgrenzschutzes. Natürlich sind dessen Beamte ungleich freundlicher als die einstigen DDR-Grenzer. Beim Abtasten wird gescherzt, der Ausweis wird lächelnd verlangt und dankend zurückgegeben, und auch die Frage, ob man vielleicht Waffen mit sich führe, wird auf eine seltsam gelassene Art gestellt. Nach dem Gang ins Häuschen des BGS darf man dann die Bar betreten, wodurch diese zu einem Nest der Verschworenen wird.

Am Sonnabend waren auch ein paar Amerikaner da. Und die machten sich so ihre Gedanken über die Zufälle der Geschichte. Wo einst Moskau den Eisernen Vorhang hinunterließ, muss nun das vom Terror verwundete Amerika aus Sicherheitsgründen neue Grenzen ziehen. Wie gesagt, die Stimmung beim Eintritt in die Hochsicherheitsenklave rund um die US-Botschaft ähnelt dem Besuch der DDR zu Mauerzeiten kaum. Nur die räumliche Nähe weckt Erinnerungen. Zwischen Nachbarn, mitten auf der Straße, eine Grenze. "Das ist Berlin!", sagt einer in der Bar.

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