Politik : Hinter den Linden: Nicht empfehlenswert

Markus Feldenkirchen

Das Schröder-Blair-Papier war ein schickes Schreiben zweier schicker Herren aus dem Sommer 1999. Den Genossen hat es damals nicht so gut gefallen, weil darin Dinge standen, die nicht so sozialdemokratisch waren wie das, was man ein Jahrhundert lang für sozialdemokratisch hielt. Und weil sie fürchteten, ihr Gerhard mache seinem britischen Vorbild jetzt alles nach. Egal. Es hieß jedenfalls: Die Herren Schröder und Blair seien mit dem Papier auf der Suche nach dem dritten Weg. Damals wusste man freilich nicht so genau, wohin dieser Weg führt. Gerade Schröder wurden ohnehin Orientierungsprobleme nachgesagt, weshalb er irgendwann stehen blieb. Für Blair aber scheint die Suche nach dem dritten Weg eine Art Lebensmotto zu sein, ein Leitmotiv für Politik und Privates. Das zeigt sich dieser Tage ganz deutlich, da bekannt wird, dass der Premier auch bei Fragen des Lebens nicht auf die herkömmlichen Alternativen setzt. Für den klassischen Abendländler gab es auf die Frage, was denn auf den Tod folge, bislang ja nur zwei Antworten: entweder das Ewige Nichts oder aber das Ewige Leben - je nachdem. Tony Blair wollte sich damit offenbar nicht zufrieden geben. So nahm er im vorigen Sommer an einem Wiedergeburtsritual in Mexiko teil. Die "Times" berichtet, dass er dazu ein Maya-Dampfbad in einer New-Age-Pyramide besuchte. Dort rieb man sich mit Schlamm und zerstampftem Obst ein. Zum Höhepunkt der Zeremonie stießen die Teilnehmer laute Schreie aus, um den Schmerz der Wiedergeburt zu verdeutlichen. Manchmal wünscht man sich doch, dass Schröder seinem britischen Vorbild nicht alles nachmacht.

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