Politik : Hinter den Linden: Nicht für einen Cent

Robert Birnbaum

Es gibt so Berufe, wenn man die hat, sagt man es besser nicht laut. Unvorsichtige Ärzte zum Beispiel können immer wieder erzählen, wie sie Parties hungrig, durstig und fluchtartig verlassen haben. Hinter ihnen liegen ausführliche Gespräche mit den drei besten Freundinnen der Gastgeberin. Zwei der Damen haben Rat gesucht wegen ihrer eingebildeten Krankheiten. Die dritte hat in allen Details ihren jüngsten dreitägigen Krankenhausaufenthalt referiert.

Schlechte Karten in Gesellschaften haben auch bekennende Psychotherapeuten, Politiker und Journalisten. Erstere, weil sich nach ihrem Outing keiner mehr was zu sagen traut. Letztere beide, weil jeder jetzt aber auch mal was sagen will, was er immer schon mal sagen wollte. Die Politiker haben es noch vergleichsweise einfach: Sie erklären sich für fachlich nicht zuständig oder zu Geheimnisträgern. Rudolf Scharpings Schicksal eingedenk versteht das jeder.

Nur wir sind arme Hunde und kriegen Prügel, weil wir immer über das Falsche und dann darüber auch noch falsch berichten. Sagen die Leute. Glaubt man den Beliebtheitsumfragen, halten uns die Leute überdies auch noch für überwiegend korrupt. Und was tut die CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament? Sie schickt als Weihnachtsgabe ein Kärtchen, auf dem klebt ein Cent. Als ob wir nicht an den Vorurteilen genug zu beißen hätten! Also bitte, zur Klarstellung und ein für alle mal: Wir sind nicht käuflich. Für einen lumpigen Cent schon gleich gar nicht.

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