Politik : Hinter den Linden: Notebook statt Fibel

Robert Birnbaum

Pädagogik ist auch schon mal einfacher gewesen. "Also lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss", befand noch kurz und bündig Wilhelm Busch und zeigt uns auch das zentrale Lehrmittel jener Tage: den Rohrstock. Ansonsten fällt die Ausstattung des Lehrers Lämpel mager aus. Vorn die große Schultafel, in den Schulranzen viele kleine Schiefertafeln und die Fibel, der Lehrplan diesen Möglichkeiten angepasst. Chronist Busch vermerkt "Schreiben", "Lesen", "Rechnungssachen" sowie "der Weisheit Lehren".

Heute ist in der Pädagogik alles viel schwieriger geworden, aber natürlich auch viel besser. Der Rohrstock ist ersetzt worden durch die Kultusministerkonferenz. An die Stelle der Schiefertafel ist der Computer getreten. Der Staatssekretär Uwe Thomas im Bundesministerium für Bildung und Forschung hat gerade erst freudig vermeldet, dass diesbezüglich "die Flächendeckung erreicht" sei; so seien 77,5 Prozent der Grundschulen mit Computern ausgestattet.

Vom Lehrer Lämpel wäre der Schüler Thomas für solche Rechenkunst übers Pult gelegt worden. Aber das ist eben der Fortschritt. Das, und natürlich der Computer. Wenn es nach der Bundesregierung geht, dann hat irgendwann jeder Schüler nur noch ein Notebook im Ranzen. Der TrageRechner soll die Fibel ersetzen und die Schiefertafel. Aber nicht einfach so. Das Notebook, erläutert Staatssekretär Thomas, ist viel mehr als eine Schiefertafel; es ist eine "vernetzte Schiefertafel". Beim Lehrer Lämpel wäre der Schüler Thomas für solche Bildersprachverhunzpipelung schon wieder übers Pult gelegt worden. Aber das ist eben der Fortschritt.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar