Politik : Hinter den Linden: Nur keine Predigt

Stephan-Andreas Casdorff

Die Zeichen der Zeit - ein Begriff aus der Bibel, der uns, immer mal wieder politisch angewendet, zum Nachdenken bringt. Nicht, dass jetzt etwas stramm Kirchliches käme, eine Predigt oder so. Nein, aber ein paar fromme Wünsche, die mit etwas sehr Weltlichem zu tun haben: mit dem Wahlkampf. Und mit Existenziellem.

In der SPD-Bundestagsfraktion ist es tatsächlich gerade schon in die Abgeordnetenbüros durchgegeben worden: Der Wahlkampf hat begonnen! Mündlich und auf roten Zetteln, die Dringlichkeit signalisieren. Sowas ist, rein phänomenologisch betrachtet, ja nichts Schlechtes. Aber manches an zu früh geführtem Wahlkampf kann sich so auswirken: dass dementsprechend Entscheidungen zu früh gefällt werden. Zum Beispiel in der Gentechnik, die sich ja nach der Entzifferung des Menschen auf unser aller Anfang und Ende auswirken kann.

Da ist der sozialdemokratische Bundeskanzler auf dem besten Wege, Wirtschaftspolitik mit der Ethik zu betreiben. Stammzellenimport als Faktor für den Standort D, vorangetrieben von Gerhard Schröders Tempomacher, vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement - das kann schnell zu weit führen. Übrigens auch in den rot-grünen Koalitionen in Düsseldorf und Berlin, wo der jeweils kleinere Partner, die Grünen, eine andere Meinung vertritt. Ob die Grünen durch die subtile Drohung mit einer weiteren Annäherung der (und an die) FDP auf Dauer unbeeindruckt bleiben, steht dahin. Schröder kennt die Techniken zur Machteinengung anderer; hier hat er Methode. Aber es gibt ja noch den Nationalen Ethikrat. Hoffentlich fürchtet der auch im Vor-Wahlkampf keine Ethiktat. Die Kirchen und die Nachdenklichen drängen ihn schon.

"Ich überdenke meine Wege" - nur ein frommer Wunsch? Einer weiß es. Im Hause Schröder wird zuweilen abends gebetet. Höhere Einsichten sind da nicht auszuschließen.

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